ARTIST TALK
29.02.2024

29.02.2024 – ARTIST TALK | 100 Jahre Traklhaus | KERSTIN BENNIER „same same but different…“
Talk: 29.02.2024 | 18:30
Moderiert von | moderated by: Thomas J. Jelinek
Gäste | Guests: Kerstin Bennier, Theo Deutinger, Anastasia Lopez, Vira Zhuk & Rosa Logar
Waagplatz 1a
5020 Salzburg
go to the project: SAME SAME BUT DIFFERENT…
Die Schatten des Krieges –
haben sich jetzt auch auf Europa gelegt.
Im Kontext und als Teil der Ausstellung der Installation von Kerstin Bennier >Same, same but different … < findet ein offenes Gespräch mit der Künstlerin und dem interessierten Publikum statt, mit Expert*innen aus Kunst, Medien und Architektur, zu den scheinbar unvermeidlichen Zersetzungsprozessen unserer Zivilisation und dem Umgang mit wachsender Zerstörung und menschlichem Leid. Wir sind mit einem Anwachsen von Krisen und Konflikten, einer zunehmenden Gewaltbereitschaft und entsprechend ausbrechenden bewaffneten Konflikten und Kriegen konfrontiert. Der uns am nächsten gelegene ist der Krieg in Europa, der Überfall Russlands auf die Ukraine, der sich in den letzten zwei Jahren zu einem langwierigen Stellungs- und Abnützungskrieg entwickelt hat. Es ist zu einem traurigen Alltag geworden der durch immer neue Konflikte, wie dem aktuellen Krieg im Nahen Osten, der Hamas gegen Israel, überschattet wird. Krieg scheint eine unauflösbare Begleiterscheinung menschlicher „Zivilisation“ zu sein, wie die Geschichte uns seit den Anfängen der Aufzeichnungen zeigt. Aber auch der Widerstand gegen Gewalt und Krieg ist seit den Anfängen der Menschheit präsent.
Wie gehen wir, in der Mitte Europas, an dessen Rändern immer mehr Kriege und Konflikte aufflammen, mit diesen Prozessen und den zunehmenden „Kollateralschäden“ – wie getötete Zivilist*innen, traumatisierte Menschen und Flüchtlinge zynisch genannt werden, um. Was sind die Schemata, was sind die Strukturen, die Architektur der Gewalt, wie können wir sie erkennen und wie sprechen wir darüber? Was ist die Rolle der Medien, in diesen sich zuspitzenden Prozessen der Gegenwart und wie beeinflusst die radikale Veränderung der Medienlandschaft, die Verlagerung der Aufmerksamkeit auf digitale und sogenannte soziale Medienkanäle, die immer leichter werdende Manipulierbarkeit der Medien, die politischen und sozialen Entwicklungen? Wie verändert sich unser eigener Blick auf die Dinge?
Laut der globalen Datenbank Statista sind, seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine, allein auf ukrainischer Seite, mit Januar 2024 die Zahl der erfassten getöteten Zivilisten 10.191 davon 573 Kinder und 19.931 Verletzte davon 1.249 Kinder. Mittlerweile sind mehrere Kriege und Konflikte, wie der prominente Gaza-Krieg hinzugekommen,
die die globale Lage weiter destabilisieren und auf die sich die mediale Aufmerksamkeit richtet. Weltweit gibt es zurzeit mehr als 100 bewaffnete Konflikte. Die meisten unterhalb des Radars der Weltöffentlichkeit.
Wie kommt es zur Zunahme dieser Gewaltausbrüche vor dem Hintergrund einer lebensbedrohlichen Klimaentwicklung? Oder passiert es gerade deshalb? Lassen sich diese Entwicklungen stoppen? Sind sie umkehrbar?
Gerade in Zeiten der Krise und des radikalen Umbruchs, wie wir sie heute erleben ist Kunst, die kreative Auseinandersetzung mit Wirklichkeit und der Diskurs, essenziell um die Gegenwart zu analysieren, neue Wege und Lösungen zu entwickeln. Aber was kann Kunst konkret in diesem Kontext ? Sollen wir aufhören Gedichte zu schreiben im Angesicht des menschlichen Wahnsinns der Gegenwart? Eine Frage die sich gerade im Haus des Georg Trakl, dessen letztes Gedicht – Grodek – die Hilflosigkeit gegenüber dem Massensterben im Krieg – dem 1. Weltkrieg – zum Thema hat, stellt. Grodek, ist das heutige Horodok, westlich von Lviv in der Westukraine… womit sich auch geographisch der Kreis schliesst.
>> Die Geschichte hat uns gelehrt: Zur Entfachung von Krisen genügt einer, aber zur Erhaltung des Friedens sind alle notwendig. <<
Ein Zitat das Willy Brandt zugeschrieben wird und eine Erkenntnis die bereits in der Antike Griechenlands und seither immer wieder in verschiedenen Formen formuliert wurde.
Eine noch öfter wiederholte Aussage ist, dass die Geschichte zeigt, dass der Mensch aus der Geschichte nicht lernt.
Same, Same but different …
Diesmal allerdings werden wir als Menschheit einen Weg aus dieser ewigen Spirale finden müssen.
Thomas J. Jelinek
Mit Ihnen diskutieren:
Kerstin Bennier – Künstlerin der Ausstellung
Theo Deutinger – Architekt und Kurator, Autor des Buches >Handbook of Tyranny<
Anastasia Lopez – Nachrichtenjournalistin
Vira Zhuk – Künstlerin / aus Kiew, Ukraine stammende Violinistin und Musikerin .
Rosa Logar – Frauenrechts- und Friedensaktivistin, Vorsitzende der Women’s International League for Peace and Freedom – Austria
Das Gespräch wird moderiert von Thomas J. Jelinek
The shadows of war –
have now also spread to Europe.
In the context and as part of the exhibition of the installation by Kerstin Bennier >Same, same but different… < There will be an open conversation with the artist and the interested audience, with experts from art, media and architecture, about the seemingly inevitable decomposition processes of our civilization and dealing with growing destruction and human suffering.
We are faced with an increase in crises and conflicts, an increasing willingness to use violence and confronted with armed conflicts and wars that break out. The closest thing to us is the war in Europe, Russia’s invasion of Ukraine, which in the last two years has developed into a protracted war of position and attrition. It has become a sad everyday life caused by ever new conflicts, such as the current war in the Middle East. Hamas against Israel is overshadowed. War seems to be an inextricable side effect of human “civilization”, as history has shown us since the beginning of recorded history. But resistance to violence and war has also been present since the beginning of humanity.
How do we, in the middle of Europe, on whose edges more and more wars and conflicts are flaring up, with these processes and the increasing “collateral damage” – such as killed civilians and traumatized people and refugees are called cynical. What are the schemas, what are the structures, the architecture of violence, how can we recognize them and how do we talk about it? What is the role of the media in these escalating contemporary processes and how does the radical change in the media landscape, the shift of attention to digital and so-called social media channels, the increasingly easy manipulation of the media, influence political and social developments? How does our own view of things change?
According to the global database Statista, since Russia’s attack on Ukraine, on the Ukrainian side alone, as of January 2024, the number of civilian deaths recorded is 10,191, of which 573 are children, and 19,931 injured, of which 1,249 are children. There have now been several wars and conflicts, such as the prominent Gaza war, which further destabilize the global situation and which attract media attention. There are currently more than 100 armed conflicts worldwide. Most of them below the radar of the world public.
How are these outbreaks of violence increasing against the background of life-threatening climate developments? Or is that exactly why it happens? Can these developments be stopped? Are they reversible?
Especially in times of crisis and radical upheaval like we are experiencing today, art, the creative engagement with reality and discourse are essential for analyzing the present. to develop new ways and solutions. But what exactly can art do in this context? Should we stop writing poetry in the face of the human madness of the present? A question that is currently being asked in the house of Georg Trakl, whose last poem – Grodek – is about helplessness in the face of mass death in war – the First World War. Grodek, is today’s Horodok, west of Lviv in western Ukraine… which also closes the geographical circle.
>> History has taught us: One is enough to spark crises, but all are necessary to maintain peace. <<
A quote that is attributed to Willy Brandt and a realization that dates back to ancient Greece and has been formulated again and again in various forms since then. An even more often repeated statement is that history shows that people do not learn from history. Same, same but different… This time, however, we as humanity will have to find a way out of this eternal spiral.
Thomas J. Jelinek
Discuss with you:
Kerstin Bennier – artist of the exhibition
Theo Deutinger – architect and curator, author of the book >Handbook of Tyranny<
Anastasia Lopez – news journalist
Vira Zhuk – artist/violinist and musician from Kiev, Ukraine.
Rosa Logar – women’s rights and peace activist, chairwoman of the Women’s International League for Peace and Freedom – Austria
The conversation will be moderated by Thomas J. Jelinek